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Wahrheiten

21.04.2022 | Essay, Inspiration, Schreiben | 0 Kommentare

Gibt es tatsächlich mehrere Wahrheiten?

Wir Menschen glauben, die Wahrheit zu kennen. Dabei ist es nur unsere Wahrheit – die eigene erlebte Erfahrung.

Für jeden sieht diese Wahrheit, diese erlebte Erfahrung, anders aus. Dennoch glauben wir, dass es DIE WAHRHEIT ist und meinen DIE EINZIGE.

Diese erlebte Erfahrung wird zudem noch von blockierenden Gedankenmustern beeinflusst. Was haben wir von unseren Eltern oder Großeltern übernommen, was wurde uns als „Wahrheit“ vielleicht auch in der Schule eingebläut? „Von Eis bekommt man Läuse im Bauch“ ist da noch die harmlosere Variante. Wie oft haben uns Lehrer:innen davon überzeugt, dass aus uns niemals ein:e Mathematiker:in, Poet:in, Künstler:in, whatever wird, je nachdem, in welchem Fach wir schlechte Noten hatten. Und diese Überzeugung haben wir beibehalten. „Nee, mit Architektur brauche ich gar nicht erst anzufangen. Da hat Frau Müller damals schon gesagt, dass ich nicht räumlich denken kann.“ Im schlimmsten Fall steigert sich die Beurteilung in „Aus dir wird sowieso nichts!“, die höchste Form von Erniedrigung.

Was wäre wenn …

Was wird durch solche Äußerungen an Potential vergeudet. Weil wir solche Aussagen oftmals nicht hinterfragen.

Eine Freundin von mir ist Lehrerin im Ruhestand und hat demnächst ein Klassentreffen mit Schüler:innen, die schon sehr lange aus der Schule sind. Sie erzählte von einem Schüler, der so gar nicht ins System passte, im Unterricht nicht mitkam, überall aneckte und eigentlich ziemlich abgeschrieben war. Zum Glück ist sie eine Person, die immer Wert darauflegt, andere zu inspirieren, ihr Potential zu erkennen und sie zu ermutigen, ihren Weg zu gehen. Dieser Schüler hatte einen Traum: Er wollte Pilot werden. Alle hielten ihn für verrückt und niemand glaubte an ihn.

Sie war sehr gespannt, als sie im Vorfeld von ihren Ehemaligen hörte, wo sie wohnten und was sie machten. 

Tja, was soll ich sagen: Der besagte Schüler war tatsächlich ein erfolgreicher Pilot geworden. Auch wenn ich diesen Menschen nicht kenne, bewundere ich ihn für seinen Mut, sein Vertrauen und seine Beharrlichkeit, an seinem Traum festzuhalten. Komme, was wolle.

Das Feld unserer Möglichkeiten vergrößern

Je mehr wir uns für andere und anderes öffnen, je öfter wir über den Tellerrand schauen, unsere sichere Zone verlassen und uns auf Neues einlassen, desto größer wird dieses „Wahrheitsfeld“. Vielleicht ändert es sich auch und damit unsere Meinung. Dennoch bleibt es unsere Wahrheit.

Ein Beispiel: Als ich das erste Mal vom Thema „Hochsensibilität“ erfuhr, war ich erstaunt, dass es noch mehr Menschen gibt, denen es so geht wie mir. Die ähnlich fühlen und empfinden wie ich. Damals war meine Wahrheit: Ich bin nicht richtig. Ich stelle mich an. Ich bin falsch.

Dabei war es nicht so, dass ich mich anders fühlte, einen anderen Standpunkt hatte oder etwas anders wahrnahm und damit allein war auf weiter Flur. Nein: Ich fühlte mich nur falsch. Denn in meiner Wahrheit gab es nur das Verhalten meines Umfelds, so wie ich es kennengelernt habe. Und ich war die Einzige, die nicht so tickte. 

Erst viel später habe ich verstanden, dass ich nicht damit allein bin, sondern eine von vielen, denen es genauso geht wie mir. Ich habe mein „Wahrheitsfeld“ vergrößert. 

Auch wenn alle irgendetwas großartig fanden, ich aber nicht, war mein erster Gedanke: „Ich bin falsch, ich muss das doch auch gut finden.“ Ich habe nie gelernt, wirklich in mich hineinzuspüren und zu fühlen, was mir guttut. Und das dann auch nach außen zu kommunizieren.

Wenn ich jetzt auf etwas stoße, das neu für mich ist, dann schaue ich genauer hin, lasse es auf mich wirken, achte darauf, was es mit mir macht – körperlich, mental und emotional – und entscheide dann, wie ich weiter vorgehe. 

Das gelingt mir nicht immer, aber ich werde immer besser. J

Wo kommen wir denn hin

Wie wunderbar ist es doch, wenn wir mit allen Sinnen durchs Leben spazieren können, lernen dürfen und dabei unser „Wahrheitsfeld“ immer weiter und größer werden lassen. Wenn wir nicht jede Situation bewerten und anhand unserer Erfahrungsskala in eine ganz spezielle Schublade stecken, ohne diese Bewertung jemals zu revidieren. Das fühlt sich so starr an und riecht nach alter Welt. Wir dürfen jetzt weich, offen und durchlässig werden. Ich stelle es mir wie eine sanfte Welle vor, die wir anschauen und dann durch uns durchfließen lassen oder uns sogar ein Stück weit von ihr tragen lassen. Und schwups, sind wir an einem anderen Ort, in einem neuen „Wahrheitsfeld“, das wir vorher noch nie gesehen haben. 

Erzähl doch mal in den Kommentaren, wie du mit Neuem umgehst? Interessiert dich das Thema „Hochsensibilität? Dazu wird es demnächst nämlich eine kleine Reihe von mir geben.

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Über mich

Ich bin Kerstin – leidenschaftliche Sammlerin von schönen Momenten, aber auch ästhetischen Buchstaben und Bildern. Ich brenne dafür, die Welt zu bereisen, neue Einblicke zu gewinnen und meinen Horizont zu erweitern.
Ich liebe es, Gedanken zu strukturieren und sie dann auf Papier zu bringen. Entweder als Bild oder als Text.

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